Belebtes Bergamo

Lombardische Lebensart trifft beeindruckende Baukunst

Bergamo, die kleine aber feine Provinzstadt in Norditalien steht keinesfalls im Schatten der nahen Metropole Mailand, sondern hat mehr zu bieten, als man auf den ersten Blick vermuutet. Das ideale Ziel für einen Kurzbesuch am Wochenende oder einen Zwischenstopp. Was sich in der belebten Stadt an lombardischer Lebensart entdecken lässt, lesen Sie hier im aktuellen Bericht über Bergamo.




 Sanft streichelt die Frühlingssonne die Dächer der Oberstadt und der darunterliegenden Unterstadt bis hin zu den nahegelegenen Alpen, an dessen Fuß die lombardische Provinzstadt Bergamo liegt. Von hier oben in San Vigilio oberhalb der Oberstadt Bergamos lässt sich das Frühlingserwachen kit seinen ersten, warmen Sonnenstrahlen entspannt wahrnehmen bei einem “Donizetti Sprizz“, ein echter In-Cocktail aus Rotwein, Campari, Mineralwasser und einem Spritzer Zimt-Essenz, benannt nach dem berühmten Opern- Komponisten, der ein Sohn Bergamos ist. Erholsamer könnte ein frühlingshafter Besuch im sprießenden Grün der Umgebung in der Stadt nicht beginnen. Hier oben als herrschten jahrhundertelang die die Herren von Bergamo auf dem Castello San Vigilio. Citta dei Mille, Stadt der tausend, so lautet der eigentliche Name von Bergamo, das deutlich in Ober- und Unterstadt getrennt ist. Eigentlich könnte es auch „die Stadt der tausend Gesichter“ heißen, so vielfältig kommt die kleine aber feine Urbanität am Rande der Alpen daher. Kein Wunder, dass Bergamo als eine der schönsten Städte Norditaliens angesehen wird.



 Citta alta und citta Bassa, so nennen die Einwohner die übereinanderliegenden Teile ihrer Stadt, die ein Höhenunterschied von etwa 100 Metern trennt. Der historische, ältere und kulturell deutlich attraktivere Teil bildet dabei die Oberstadt. Die Standseilbahn verbindet die Viale Vittorio Emanuele am nördlichen Rand der Unterstadt mit der Piazza Mercato delle Scarpe in der südlichen Oberstadt. Die Unterstadt ist nach venezianischer Prägung vor allem ein Handelszentrum. In Bergamo waren schon fast alle Völker Europas, angefangen von den Galliern den Etruskern den Römern, den Hunnen. Auch Napoleon war schon hier und natürlich im Mittelalter die Venezianer, nach deren Niedergang die Österreicher kamen. Erst mit der Entstehung des italienischen Staates wurde Bergamo Teil Italiens. Ihr berühmtester Vertreter der jüngsten Geschichte ist wohl Papst Johannes XXIII., der aus der Gegend von Bergamo stammte. Heute bildet der Handel und das Messegeschäft immer noch das zentrale Geschäftsleben Bergamos. Gleichzeitig hat sich Bergamo vor allem durch die Eröffnung seines nahe zum Zentrum gelegenen Flughafens zu einer der beliebtesten lombardischen Städte gemausert und kann mit der nahe gelegenen Millionenmetropole Milano in puncto Flair durchaus mithalten.



 Die engen Gassen der Oberstadt zeigen sich besonders dann malerisch- verträumt, wenn sie nicht an Wochenenden von Besuchermassen heimgesucht werden. Unter der Woche geht es hier zwischen den mittelalterlichen Mauern der Häuser gemütlich zu. Ich schlendere durch die engen Gassen der Citta Alta und erreiche die Piazza Vecchia an deren Kopf sich der Domplatz anschließt. Beeindruckt stehe ich vor der Cappella Colleoni, an deren linker Seite das Nordportal der Kirche Santa Maria di Maggiore und an rechter Seite die Treppe und das Portal zur Bischofskapelle liegen. Die Piazza Vecchia bildet das Zentrum der wie ein Amphitheater geformten Oberstadt. Die Mauern der Oberstadt stammen aus dem 16. Jahrhundert, gehören inzwischen zum UNESCO-Welterbe und beinhalten einige Bastionen, die in ihrem derzeitigen Erhaltungsgrad selten zu finden sind in Europa. An der Piazza Vecchia liegt das Rathaus aus dem 16. Jahrhundert, der Palazzo della Ragione. Der reich verzierte Duomo di Bergamo aus dem 15. Jahrhundert zeigt in der Apsis des Chores eine Darstellung des Martyriums des Bischofs San Giovanni von Tiepolo im Jahr 1745. Außerdem liegen hier die Reliquien von Papst Johannes XXIII in einer Kapelle. Während in der Kirche Santa Maria di Maggiore Hochzeiten und Messen zu städtischen Ereignissen abgehalten werden, finden Messen sonntags um zu Feiertagen im Dom statt. Äußerlich auffallend ist vor allem die Fassade der Cappella Colleoni, benannt nach dem General Bartolomeo Colleoni aus dem 15. Jahrhundert. Die ursprünglich romanische später barockisierte Kirche zeichnet sich vor allem durch ihre filigranen Figuren an der Außenseite aus. Der deutsche Schriftsteller Hermann Hesse witzelte einst bei einem Besuch der Oberstadt, als man die Kirche innen von Barockfiguren bereinigt habe, wären diese Figürchen außen an der Fassade angebracht worden. Der spöttischen Erzählung nach sollen die drei Tropfen im Wappen Colleonis, das an der Mauer der Kirche zu sehen ist, auf drei Hoden hinweisen, die Bartolomeo Coleoni angeblich gehabt haben soll. Eine beliebte Anekdote über den venezianischen Führer und Ritter, die Reisenden gerne erzählt wird. Viel mehr Kirchen gotischer barocker und romanischer Bauart kann ich in der Oberstadt entdecken. Jedoch ist auch der kleine botanische Garten mit seltenen Pflanzen durchaus ein interessantes Ziel. Die Oberstadt erreicht man durch eine Funicolare, die den Besucher schnell und steil hinauf in das Zentrum der citta alta bringt. Will man noch höher hinaus, so ist San Virgilio, oberhalb der Oberstadt der ideale Punkt für eine Aussicht mit Fernsicht. San Vigilio erreicht man ebenso mit einer Funicolare, einer Standseilbahn. Wie gut dass man mit einem Tagesticket diese und alle übrigen, öffentlichen Verkehrsmittel günstig nutzen und sich die Gegend so zu eigen machen kann.



 Alles Donizetti – von Opern, Masken und der Commedia dell´arte auch kulturell hat Bergamo eine Fülle zu bieten gerade im Bereich der Oper. Denn durch Gaetano Donizettis Oper “die Maske des Harlekins“ hat Bergamo viel zu Geschichte des Theaters beigetragen. Die sogenannte “Bergamasco”, das ist ein Volkstanz mit einem lebendigen Charakter, ist in der Tat eine der wichtigsten Zeichen aus dem Beginn der Commedia dell’arte, der Berufsschauspielkunst. Dabei werden Szenen mit Hilfe von Masken und Typen dargestellt mit dem Ziel die szenische und moralische Wirkung der Figur zu untermalen. Die wichtigsten Figuren der Bergamasca sind der Harlekin Coviello, Giangurgolo und Pucinella. Das sind der Prahlhans, der Charmeur und der Spieler. Daneben gibt es noch zahlreiche, weitere Charaktere mit markanter Bedeutung. In Bergamo gibt es heute zwei große Theater, das Donizetti und das Sociale. Das eine liegt in der Unterstadt das andere in der Oberstadt. Hier erlebt der Besucher vor allem Opern aber auch internationale Klavier-Festivals, Theaterkurse Seminare und Tanzveranstaltungen.



 Flaniert man auf der vielbefahrenen und wenig reizvollen Viale Papa Giovanni XXIII. vom Bahnhof in Richtung Citta Alta, so kann man den Blick auf die Oberstadt unverbaut genießen. Denn bis Mitte des 19 Jahrhunderts war es nicht erlaubt, den Blick auf die Oberstadt zu verbauen. Dieser Regelung verdankt man noch heute eine atemberaubende Aussicht auf die schwebend erscheinende Citta Altà oberhalb der Citta Bassa. Die etwa zwei Kilometer lange Strecke vom Bahnhof bis zur Funicolare in der Viale Vittorio Emanuele II führt an der Haupteinkaufsstraße der Unterstadt vorbei. Neben den üblichen Markengeschäften entdeckt der einkaufshungrige Besucher besonders in den kleinen Nebenstraßen feine und nicht uninteressante Boutiquen und Designerläden. Das Flair des nahe gelegenen Mailand weht auch nach Bergamo hinüber und bewirkt eine vornehm-ausgesuchte Einkaufsatmosphäre. Mode, Schuhe und stylische Einrichtungsgegenstände lassen das Herz des Italien-Besuchers höher schlagen. Mit der 1887 eröffneten Standseilbahn, der Funicolare, gelangt man schnell in die Oberstadt. Kleine Lädchen mit ausgesuchten Waren und kulinarischen Freuden sowie Cafés und Restaurants säumen die Straßen von der Funicolare zur Piazza Vecchia.



 Kulinarische Kreationen – bodenständig und regional Die Bergamasker Küche ist bodenständig und von Fleisch und Pastawaren geprägt. Bergamo ist die Heimat der Polenta, einer Maisgrieß-Speise aus Alpkäse, etwa Taleggio, der aus den Tälern der Bergamasker Alpen stammt. Oder wie wäre es mit einer deftigen Portion Casoncelli, die mit Fleisch, Wurst, Rosinen oder Amaretti gefüllt daher kommt und zu den regionalen Delikatessen zählt? Nicht weniger beliebt ist die Scarpinocc de Par, Ravioli gefüllt mit dem Hartkäse Grana Padano, trockenem Brot, Knoblauch Petersilie Butter und Gewürzen wie Salbei. Oder gar zur Vorspeise ein deftiges Stück Bergamasker Salami? Die Bergamasker Küche ist besonders käsereich, neun Käsesorten aus dem Landstrich um Bergamo zählt die Region. Dies sind vor allem Taleggio, Strachitunt, Formei de Mut, Bitto, Salva Cremasco, Gran Padano, Gorgonzola und einige andere Sorten. Den Abschluss einer jeden Speise bildet eine Süßspeise. Polenta e Osei ist in Bergamo wohl das bekannteste Dessert. Mit Biskuit und Creme wird ein typisches Gericht der lokalen Tradition nachempfunden, der Polenta mit Singvögeln. In verschiedenen Größen kommt das Biskuit mit Creme Butter Schokolade Haselnüssen und etwas Rum daher, alles wird mit Marzipan bedeckt und erinnert stark an die klassische Polenta. Mit Kristallzucker bestreut und einem Vögelchen aus Schokolade obenauf ist diese Süßspeise nicht nur für den Gaumen sondern vor allem auch für Auge und Körpergewicht eine besondere Freude. Bergamo ist eine Weinregion. Der rote und weiße Valcalepio, aber auch der Moscato die Scanzo bilden die bekanntesten und beliebtesten Begleiter zu allen Speisen. Wie gut dass Bergamo in der Citta Bassa und Citta Alta zahlreiche ausgesuchte Restaurants zu bieten hat, welche die breite Palette an Spezialitäten der Region servieren. Nicht selten findet sich der Gast bei seinem Genuss in angenehmer historischer Umgebung gastronomischer Einrichtungen wieder. Denn die kleineren und größeren Restaurants vor allem in der Citta Alta befinden sich in einem romantisch- historischen Ambiente, das Seinesgleichen sucht.



 Harte Schale-weicher Kern – bergamascer Brummigkeit Ein Kurzbesuch in der Stadt am Fuße der Alpen lohnt sich vor allem für ein verlängertes Wochenende. Misstrauisch kauzig, aber dennoch gastfreundlich zeigen sich die Bergamasca den Reisenden in ihrer gewöhnungsbedürftigen aber nicht unsympathischen Art und unterscheiden sich dadurch deutlich von dem überheblichen Lebensstil der Menschen in der Metropole Milano. Zu viel Fremdherrschaft hat den Bergamascen misstrauisch gestimmt. Doch hat man einmal sein Vertrauen gewonnen, erfreut man sich einer herzlichen Gastfreundschaft. So verlässt der geneigte Reisende die kleine quirlige Stadt in Norditalien mit der Zuversicht, sich diesem besonderen Flair in Zukunft erneut hingeben zu wollen, sei es auf einem Zwischenstopp zu einem anderen Ziel oder zu einem erneuten Kurzbesuch mit Erlebnischarakter.



Wie kommt man hin?


Von Deutschland aus gelangt man mit dem Flugzeug einer bekannten, irischen Low-Cost-Airline in nur 1,5 Stunden zügig nach Bergamo und erreicht die Stadt unkompliziert mit dem Flughafenbus der Linie 1 zum Bahnhof. Tipp: Wer mehr als einen Tag in Bergamo bleibt, sollte direkt am Flughafen ein 3-Tage-Ticket für 7,00 EUR erwerben, mit dem man alle öffentlichen Verkehrsmittel in Bergamo nutzen kann. Unterkunft Eine Unterkunft ist besonders in der Oberstadt Bergamo Alta reizvoll. Im alten Turm des Rathauses befindet sich ein ausgesucht liebevoll hergerichtetes Hotel, das Gombihotel www.gombihotel.com

Die Reise wurde mit Unterstützung von visitbergamo durchgeführt.
Philip Duckwitz
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DER JOURNEYLIST - Philip Duckwitz
Mitglied in der Vereinigung Deutscher Reisejournalisten (Journalistenkreis)
Mitglied im Deutschen Fachjournalisten-Verband (DFJV)

Internet: http://www.journeylist.de

Publiziert am: Montag, 16. April 2018 (35 mal gelesen)
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