xxWhiskey, Tabak und ein Ikonenmaler
Geschrieben von P.Duckwitz am Dienstag, 03. November 2015
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Erstaunlichkeiten rund um das Genussfestival Churfranken

 

Wenn sich Ende Oktober im kleinen aber feinen Ort Amorbach bei Miltenberg in der Region Churfranken Genießer aus nah und fern zusammenfinden und in der fürstlichen Abtei des Ortes kulinarische Hochgenüsse verkosten, dann ist es wieder Zeit für das alljährliche Genussfestival Churfranken.

Wer hier Winzer, Wurst und guten Käse erwartet, kommt ganz sicher auf seine Kosten. Eine fachliche Weinprobe in den edlen Räumlichkeiten der Abtei im Marstall ist wohl ein Erlebnis für jeden Genießer. Winzer aus sieben Weinanbauvereinen präsentieren dort und 150 Weine zur Degustation. Im grünen Saal des ehemaligen Konventbaus der Abtei finden spezielle und Themenbezogene Verkostungen statt. Wer will kann sich den geistigen Genuss der Reben-Erzeugnisse auch mit einem guten Buch zum passenden Wein durch den Kopf gehen lassen.


Auf dem Gelände verteilt bietet sich dem genießenden Besucher allerorts die Möglichkeit, die kulinarischen Freuden der Region zu probieren. Eine Käserei aus dem nahen Sulzbach findet sich hier ebenso wie eine Metzgerei aus Amorbach neben einer Jägervereinigung, die ihre Wildspezialitäten anpreist. Fische aus dem Main, Gewürze aus Miltenberg, Imkereierzeugnisse und Konditoreiwaren der Region sorgen für ein abwechslungsreiches Genusserlebnis.

Und neben den zahlreichen Winzern hat die Region auch eine ordentliche Auswahl an Bieren zu bieten, besonders das bekannte Brauhaus aus Miltenberg ist hier vertreten.

 


Doch was ist das? Karibischer Rum aus dem Holzfass made in Miltenberg? Wenn da kein karibisches Flair aufkommt, angesichts der zahlreichen Geschmacks-Nuancen von Orange-Vanille über Eukalyptus-Thymian bis hin zur rauchigen Variante mit Whiskey-Flair, die der gut gelaunte und karibisch gekleidete Wolfgang Weimer auf dem Genuss-Festival aus seiner noch jungen, erst 2009 gegründeten Brennerei präsentiert. Rum für Kenner und Genießer – die Palette ist groß und das Genusserlebnis nicht weniger.



Und während ich noch über die karibischen Freuden in Churfranken staune, eröffnet sich mir auch gleich die nächste Kuriosität. Denn die Region hat viel zu bieten. Auch Whisky gibt es hier, in einer echten Destillerie im nahegelegenen Freudenberg. „Aureum“ - Gold, flüssiges Gold präsentiert die 1865 gegründete, altehrwürdige Destillerie mit ihren fast 150 Jahren Brennerfahrung. Gelagert in Eichen- und Kastanienfässern, nachgereift in Ex-Bourbon und Ex-Sherryfässern entsteht ein Single Malt der besonderen Note, der als fünfjähriger oder in Fassstärke zu haben ist. Mehr als nur Whiskey hat diese Brennerei zu bieten. Denn edle Brände aus Obst aller Geschmacksnuancen entstehen hier.

Edelbrände der Region sind auf dem Genussfestival zahlreich vertreten und erfreuen sich hoher Beliebtheit. Ausgelassen aber keinesfalls ungehemmt geht es auf dem Genussfestival zu. Denn Genießer wissen die Freuden des Gaumens zu schätzen und erleben sie maßvoll.


Doch auch der Nachbarort Miltenberg hat viel zu bieten dieser Tage. Bereits im Sommer hatte ich hier den Tabakladen entdeckt, in dem Helmut Kohl seinen Pfeifentabak erstand. Ich treffe auf Gerhard Falkum, den Inhaber dieses Ladens, der mir bereitwillig und offenherzig Auskunft gibt und mich zu einem anregenden Plausch über die Pfeife und den blauen Dunst einlädt. Ja, Herr Kohl ließ sich von ihm einen Tabak kreieren, der Black Cavendish und eine leichte Vanillenote enthält. Süßlich im Aroma kommt dieser Tabak daher, eigentlich gar nicht nach Helmut Kohl, aber wenn´s ihm geschmeckt hat. Mehrmals im Jahr kam der Bundeskanzler hierher und holte sich „seine“ Mischung ab. Dann führt Falkum mich in das Untergeschoss, die „heiligen Hallen“ des Ladens. Was oben in dem liebevoll eingerichteten Geschäft, dessen Wände mit den herrlichsten Pfeifen über und über gefüllt sind, kaum zu vermuten wäre: Hier unten befindet sich in einem Gewölbe ein Rauchersalon, wie man ihn sich besser nicht wünschen kann. Die Sitzecke mit schweren, breiten Ledersesseln vor dem begehbaren und geräumigen Humidor für Zigarren, lädt zum Verweilen mit einer gut gestopften Pfeife ein und ist der geeignete Ort, um tiefgehende Gespräche zu führen. Ob der Kanzler wohl auch hier gesessen und mit Falkum eine besinnliche Stunde im blauen Dunst verbracht hat? Ich verliere mich in Spekulationen und bemerke gar nicht, wie die Zeit vergeht ob des wieder einmal außerordentlichen Genusses, den ich in den verschiedensten Variationen ja schon so oft hier in Churfranken erleben durfte in den vergangenen Tagen.

Und damit nicht genug, denn einige Straßen weiter beherbergt Gerhard Falkum ein Kellergewölbe, in dem er ab und an für Interessierte Zigarren-Events abhalten lässt. Wie eine Freimaurer-Loge treffen sich dann rauchige Gestalten und geben sich dem ungezwungenen Genuss der Zigarre hin. Kurios, was in Miltenberg so passiert, denke ich bei mir.


Ein Raum für Ikonen mitten in Miltenberg


Aus dem Staunen kaum heraus komme ich bei einem abschließenden Bummel durch die Stadt. Wie zufällig entdecke ich am Ende der Hauptstraße ein Ikonen-Geschäft. „Ikonenraum“ steht da. Gibt es hier orthodoxe Gemeinden, denke ich bei mir? Schon beim Eintreten begrüßt mich der gar nicht so orthodox aussehende, dafür um so freundlichere Volker Prescher in seinem Laden mit nachgelagerter Werkstatt. Seit Mitte 2014 betreibt er hier sein Geschäft, dass aus einer Leidenschaft und der Ehe mit einer bulgarisch-orthodoxen Frau entstanden ist. Neugierig höre ich mir seine Geschichte an und lasse mir die Kunst des Ikonenmalers in wenigen Schritten erklären.

Wichtig ist, es vor und nach dem Malen zu beten und und sich zu bemühen nach Tradition zu schreiben, denn Ikonen werden geschrieben, nicht gemalt, beginnt Prescher.

Auf ein Holzbrett aus Fichte oder Olive wird eine Leinwand aufgeleimt, auf der Rückseite befinden sich Keilleisten, die „sponki“ zur Stabilisierung. Die Leinwand wird mit einem Kreidegrund aufgetragen. Danach kommt das sogenannte Vergolderöl auf die Leinwand. Erst jetzt entsteht das Bild. Der Oberton ist immer rot, der Unterton blau.

Doch der Ikonenschreiber ist nicht frei in der Wahl seines Motivs, sondern muss aus den von den orthodoxen Kirchen vorgegebenen Motiven wählen. Festgelegt sind auch die Farben der Motive. Der Umhang der Maria hat immer den Farbton „capot mortuum“ und wird analog zur Dreifaltigkeit in drei Aufhellungen aufgetragen. Eine Ei-Emulsion aus Wasser, Alkohol und Eigelb bildet die Basis der Farbmischung. Mit Leinöl wird das Bild am Schluss gefestigt. Zwei Wochen dauert es, so schildert mit Volker Prescher, bis eine Ikone in der Größe A4 fertig ist. Gelernt hat er das Ikonenschreiben in der bulgarischen Hauptstadt Sofia bei einem bekannten Ikonenschreiber.


Erfüllt von Estaunlichkeiten und Kuriositäten verlasse ich Churfranken nach wenige Tagen wieder in der festen Überzeugung, bald zurückzukehren. Denn wer weiß, auf welche Entdeckungen ich beim nächsten Mal hier in der Gegend stoße?


Kurz notiert:


Wie kommt man hin:

Das 40 Kilometer von Aschaffenburg entfernt liegende Miltenberg als Herzstück der Region Churfranken erreicht man mit dem Auto gut über die Bundesstraße 469, die bei Aschaffenburg nach Süden von der A3 abzweigt.

Mit der Bahn ist Miltenberg ab Aschaffenburg gut in 50 Minuten Fahrt mit der regelmäßig pendelnden Regionalbahn zu erreichen.


Unterkunft:

Eine ausgezeichnete Unterkunft im Zentrum Miltenbergs ist das Flairhotel Hopfengarten, das auch über ein eigenes Restaurant verfügt.http://www.flairhotel-hopfengarten.de/


 

Rund um den Genuss:


Wein aus der Region mit eigenem Verkauf mitten in Miltenberg bietet zum Beispiel das Weingut Knapp http://www.weingut-ottoknapp.de/


Whisky und Edle Brände hat die Brennerei Ziegler in Freudenberg zu bieten

www.brennerei-ziegler.de


Karibischer Rum aus Miltenberg kommt von der Rum Company aus Miltenberg

www.rumcompany.de


Destilliertes in Form von Edelbränden bietet auch das „Distelleum“ von Michael Mayer aus Pflaumheim www.destilleum.de

Bier aus Chrufranken trinkt man am besten von der Brauerei Faust in Miltenberg, die sich auch besichtigen lässt: http://www.faust.de/


Käse aus der Region erhält man in der Fromagerie Geiss aus Sulzbach

www.fromagerie-geiss.de


Wurst und Fleisch gibt’s zum Beispiel bei der metzgerei Hauck aus Amorbach

www.metzger-meines-vertrauens.de


Wer´s Wild mag ist bei Clemens Walter & Katharina Köhler am besten aufgehoben

www.wildscheuer.com



Genusswaren & Mehr

Ikonen

Den Ikonen-Schreiber Volker Persch findet man in Miltenberg direkt im Zentrum

http://www.ikonenraum.de


Tabak

Genussraucher, aber auch Nichtraucher sollten das Tabakhaus Falkum im Zentrum von Miltenberg direkt vor dem Hotelm Hopfengarten einmal besuchen, die hier zu sehenden Pfeifen sind in jedem Fall eine Besichtigung wert.www.Falkum.de


in Klingenberg befindet sich das „Alte Gewürzamt“ von Ingo Holland, dessen Besuch in jedem Fall lohnt. www.ingo-holland.de


Diese Reise wurde durchgeführt mit freundlicher Unterstützung des Tourismusamts Mainland Miltenberg – Churfranken e.V..


Das Tourismusamt steht für alle Fragen rund um die Reise in die Region zur Verfügung.

Brigitte Duffeck ( Geschäftsführerin)

www.churfranken.de



Der Journeylist - Philip Duckwitz
Mitglied in der Vereinigung Deutscher Reisejournalisten (Journalistenkreis)
Mitglied im Deutschen Fachjournalisten-Verband (DFJV)
Internet: http://www.journeylist.de



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