Die wahre Geschichte über die Entstehung der Romanroellchen

 Von Martin Schönleben. Createur der Roman-Roellchen

 

Was nun folgt, ist die ungeschminkte Wahrheit über die Entstehung der Romanroellchen.


„Nachts ist der Mensch nicht gern alleine!“ dies sang schon Hildegard Knef in ihrem wohlbekannten Lied. Und welche Freunde bringen einen Bäcker durch die Nacht? Er ist es doch, der einsam jede Nacht dafür sorgt, dass wir am Morgen zum Frühstück frische knusprige Semmeln haben! Mein Bäcker namentlich genannt Georg Bachter, aber bei Film, Funk und Fernsehen nur beliebt unter dem Namen Schorsch der Bäcker aus Puchheim, hat seine speziellen Freunde für die Nacht.


Nun werden Sie zuerst einmal wissen wollen, warum er denn so bekannt ist? Dies hat hauptsächlich mit seinen nächtlichen Freunden zu tun, und diese sind:


  1. ein Radio

  2. ein Handy und

  3. ein Radiosender aus München, nämlich Bayern 3.


Diese Drei bringen ihn also sicher durch die Nacht. Aber das werden Sie mir erklären, begründet immer noch nicht, warum dieser Bäcker aus Puchheim dann so beliebt ist? Nun ja, sein Handy benützt er natürlich und dieses ziemlich ausgiebig. Besonders wenn irgend etwas verlost wird beim Radio. Haben sie schon einmal etwas gewonnen bei einem Gewinnspiel im Radio? Nein werden Sie jetzt sagen. Sie kommen auch, so wie ich nie durch! Immer nur das Besetztzeichen am anderen Ende der Leitung! Dann sollten Sie einfach einmal um 2 Uhr oder 3 Uhr in der Nacht anrufen, so wie der Schorsch das immer macht. Um diese Uhrzeit kommt man immer durch, deshalb gewinnt der Schorschi auch meistens etwas. Wenn sie jetzt auch vorhaben, endlich auch einmal alle Konzertkarten und CD’s abzuräumen und sich denken, eine durchgemachte Nacht ist ja gar nicht so schlimm, wenn ich dann dafür ins Phil Collins Konzert gehen kann, dann muss ich Sie leider enttäuschen. Reichtümer kann man durch nächtliches Radiohören leider nicht anhäufen, und deshalb muss der Schorschi immer noch für unsere leckeren Brezen sorgen. Weil in der Nacht werden meistens als Preis nur ein Wunschtitel gespielt. Eine bekannte Tatsache aber ist, dass unser bekannter Bäcker aus Puchheim, schon seit Jahren immer wieder anruft, damit wenn schon der Geldbeutel nicht voller, dann doch wenigstens die Musik etwas besser wird. Unser Schorschi in den langen Jahren, deshalb den Radiomoderatoren wohl bekannt. Und so manches Pläuschchen mit einer Nachteule vom Radio, hat dann für etwas röschere Semmeln gesorgt. Weil mein ansonsten braver Bäcker bei der Plauderei vergaß das Gebäck rechtzeitig aus dem Ofen zu holen.


Und dann war im Jahre 2001 jene kalte klare Herbstnacht, an der das Verhängnis seinen Lauf nahm. Eben noch hatte er sich nett mit dem Moderator unterhalten, ihm ein paar Vorschläge unterbreitet, wie man die Nacht musikalisch besser gestalten könne, da stellte ihm Harry Blacher die verhängnisvolle Frage: „Macht’s ihr in euerer Bäckerei eigentlich auch solche Käsestangen?“ Hätte der Schorschi hier geahnt, was diese kleine Frage noch alles auslösen würde, ich glaube, dann hätte er einfach nur mit nein geantwortet. Aber so sagte er nur: „Ja, natürlich!“ Worauf ihn der Harry fragte, ob er nicht einmal ein paar leckere Käsestangen in der Früh ins Studio bringen könne. Kein Problem meinte da unser Nachtarbeiter und beide widmeten sich wieder ihrer Arbeit. Und unsere zwei Helden ahnten in dieser Nacht nicht wohin das noch führen würde.



Aber sooft auch unser Nachtbäcker auch in den folgenden Nächten vor dem Radio ausharrte, um endlich seinem geliebten Nachtmoderator einige Käsestangen vorbei zu bringen, alles Backen war umsonst, da es keinen Harry Blacher mehr bei Bayern 3 gab. Vielleicht ist er ja im Urlaub, oder er ist vielleicht von einer Nachteule zu einer Tagestaube mutiert, so dachte sich unser Schorschi, als er nach monatlichem vergeblichem Abwarten endlich beim Radio anrief. Und seltsamerweise wurde er direkt zu seinem Lieblingsmoderator Morningman Roman Roell durchgestellt. Obgleich dieser schon etwas verwundert war, dass wenn man schon mit ihm persönlich sprechen konnte, sich dieser Puchheimer Bäcker nur nach einem anderen Moderator erkundigte. Auch dem Schorschi wurde überhaupt nicht klar, mit wem er eigentlich nach einer anstrengenden Arbeitsnacht telefonierte. Und so gab ihm Roman etwas geknickt die Antwort, dass der Nachtfalke Harry Blacher wirklich den Bayerischen Rundfunk verraten hatte und zum Kirchkonzern abgewandert ist. Als er dies zu Kenntnis nahm, musste unser Schorschi erst einmal tief frustriert durchatmen. Er hatte sich nämlich schon insgeheim gefreut, einmal das Bayern 3 Studio mit seinen Moderatoren kennen zu lernen. Aber in Roman Roell rumorte es, warum nahm er sich extra mitten unter seiner Sendung für diesen Bäcker Zeit, nur damit sich dieser sich dann nach Harry erkundigte? Und was will er von diesem Kerl überhaupt, der den großen Bayerischen Rundfunk im Stich gelassen hatte, nur um zum Privatfunk zu wechseln. Hier nun gab es wieder eine schicksalhafte Frage: „Was willst du denn eigentlich von unserem ehemaligen Nachtmoderator?“ – „ Ich sollte ihm eigentlich ein paar Käsestangen ins Studio vorbeibringen.“ War die geknickte Antwort aus Puchheim. Und jeder, der unseren Lieblingsmoderator täglich hört, der weiß jetzt was der Roman geantwortet hat: „Dann bring sie doch mir vorbei.“ Unser braver Bäcker willigte natürlich sofort ein, das Bayern 3 Studio mit ein paar Käsestangen bewaffnet zu besuchen. Ein passender Termin war schnell gefunden, und so stand der Schorschi zusammen mit seinem Sohn Marcel und frischem Schönlebengebäck ein paar Tage später im Studio neben Roman Roell. Dieser freute sich über das mitgebrachte Gebäck und zeigte den Beiden seinen Arbeitsplatz, stellte ihnen das Mornigteam vor, trank mit ihnen Kaffee, aß den Kuchen und die Käsestangen, und schaffte es tatsächlich noch nebenbei seine Mornigshow zu moderieren. Wie er das macht, ist mir bis zum heutigen Tag ein Rätsel.


Am nächsten Tag, wenngleich noch etwas aufgewühlt, erzählte mir mein Nachtbäcker in der Frühe begeistert von seinem Ausflug ins Bayern 3 Studio. Sein Bericht gipfelte dann in dem Satz: „Der Roman ist ja in Wirklichkeit genauso ein Pfundskerl, wie er im Radio rüberkommt!“ Was soll man dazu noch sagen? Da ich gerade erst aufgestanden war und noch etwas bis ziemlich müde im Kopf, begann ich meine Sahnetorten zu fertigen und sagte nichts. Ich wäre weder fähig gewesen noch, hätte mich der Schorschi zu Wort kommen lassen, so begeistert erzählte er von seinem Besuch bei Bayern 3. Tagelang gingen mir seine Worte nicht aus dem Kopf. Roman Roell hier Roman Roell da....... Plötzlich, ich rührte gerade gedankenverloren in meiner Buttercreme, kam mir eine Idee: Wir könnten doch.... Wir müssten ....... Oder sollten wir etwa......... Nein, wir müssen unbedingt einen „Roman-Roell“ backen, unser Mornigman als gebackene Version. Ein Gebäck in dem man, wenn man in der Frühe seinen Kaffee trinkt, Bayern 3 hört, man den Moderator gleich dazu essen kann, also die Mornigshow mit allen Sinnen genießen. Eine Semmel gerollt mit drei verschiedenen Zutaten. Haselnüsse, Walnüsse und Rosinen vielleicht eingerollt in einen Teig, speziell kreiert für unseren Lieblingsmoderator, nach seinen Vorlieben von uns gebacken, ein Roman-Roell. Nein, es musste anders heißen: „Roman-Roellchen“, das war der richtige Name für das Gebäck. Nun mussten wir nur noch herausfinden, was denn Roman Roell so am Liebsten isst, damit wir ihm die Roman-Roellchen auf den Leib schneidern konnten.


Also erzählte ich meinem Bäcker am nächsten Morgen von meiner Idee, ein Gebäck speziell für Roman Roell zu erfinden. Von diesem Plan war er sofort begeistert, obwohl er das Wortspiel mit den Roman-Roellchen zuerst noch nicht so ganz verstand. Wahrscheinlich waren ihm die kleinen Röllchen an Romans Bauch bei seinem Besuch gar nicht aufgefallen. Nun mussten wir aber herausfinden, was unser Moderator denn so am Liebsten isst. Bei diesen Recherchen wurde uns dann auch recht schnell klar, woher denn der Roman seine Röllchen eigentlich hat. Aber dies lieber Leser, soll jetzt doch unter uns bleiben.


Auf jeden Fall zückte der Schorschi sein Handy und wählte die Nummer vom Bayerischen Rundfunk. Er berichtete einem verschwiegenen Vertrauensmann im Hintergrund von Roman Roell von unseren Plänen und so nahm die Intrige seinen Lauf. Heimlich und immer in seinem Windschatten wurde bei Bayern 3 ausgekundschaftet, welches denn seine Leibspeisen wären? Langsam erreichten uns erste Hinweise und schnell wurde klar, dass mit dem was uns berichtet wurde, unser Gebäck wohl keine Semmel werden würde. Kaum war eine Woche vergangen, da wussten wir auch schon was in unser Gebäck hinein sollte: Vanille, Marzipan und Äpfel. Langsam entstand in unseren Köpfen ein süßes Röllchen, gefüllt mit einer saftigen Vanillecreme, mit einem zarten Marzipan und abrunden sollte diese Füllung noch ein leckerer Apfelschnitz (etwas säuerlich sollte er sein und ein bisschen süßlich schmecken). Aber was sollten wir außen herum machen. Ein knuspriger zart nach Butter schmeckender Plunderteig musste die Füllung zusammen halten. Zu diesem Ergebnis kamen wir nach eingehenden Beratungen. Wenn diese Zutaten durch das Backen im Ofen miteinander Verschmelzen, so würde ein köstliches Aroma entstehen. Wir waren uns ganz sicher, dies würde ein gar göttliches Gebäck werden. Nun mussten wir unser Gebäck in der nächsten Woche nur noch ausprobieren und dann könnten wir es Roman ja vielleicht zum Geburtstag überreichen. Als Geburtstagsgeschenk sein eigenes Gebäck überreicht zu bekommen, so malten wir es uns aus. Aber wir waren ja mittlerweile schon in der Adventszeit, und so mit Plätzchen, Stollen und Lebkuchen beschäftigt, dass wir in dieser Zeit keinen Gedanken mehr an unsere Roman-Roellchen verschwendeten. Wir dachten ja auch, dass wir nach Weihnachten noch genug Zeit finden würden, uns unserer neuen Kreation voll zu widmen. Jedoch es sollte alles ganz anders kommen. Und nichts ahnend genossen wir unser wohlverdientes Wochenende, kurz vor dem Nikolaustag, währenddessen überschlugen sich jedoch beim Bayerischen Rundfunk die Ereignisse.


Am Montag in der Früh bekam ich einen Anruf von meinem Bäcker:

„Martin, es gibt ein Problem!“

Ich dachte mir schon schlimmstes, die Rührmaschine defekt, der Ofen heizt nicht mehr, alle Mitarbeiter krank?

„Was denn für ein Problem?“ – fragte ich erst einmal vorsichtig nach.

„Jemand vom Bayerischen Rundfunk, den ich noch gar nicht gekannt habe, hat mich heute angerufen!“

„Ja, aber beim Bayerischen Rundfunk, da arbeiten doch so viele, da kannst du doch gar nicht alle kennen!“

„Nein, das ist doch gar nicht das Problem. Das was mich beschäftigt ist, das er mich gefragt hat, ob wir die Bäckerei sind, die immer diese Roman-Roellchen backen?“

„Und was hast du ihm geantwortet?“

„Natürlich, dass wir diese Bäckerei sind, die immer die „Roman-Roellchen“ backen. Und jetzt haben die gefragt, ob sie morgen kommen können, und zuschauen können, wie man diese Roellchen bäckt!“

„Und was hast du darauf gesagt?“

„Ich habe gesagt, dass ich das erst noch mit meinem Chef klären muss!“

„Sehr gut! Dann kannst du ja jetzt zurückrufen und ihnen sagen, dass sie morgen kommen können. – Und wie wir unsere „Roman-Roellchen“ machen werden, das wissen wir ja auch schon. Außen ein zart-knusprigen Plunderteig und innen ein saftiger Apfel mit Vanillecreme und etwas Marzipan. Dann weißt du ja schon was du morgen in der Nacht backen musst.“


Am nächsten Morgen kam ich in die Backstube und musste natürlich zuerst die Roman-Roellchen bewundern. Da lagen sie schön braun gebrannt vor mir, aber ganz fertig waren sie noch nicht. Zuerst noch etwas Aprikosenmarmelade kurz aufkochen lassen und auf die Röllchen gepinselt. Dann noch warme Zuckerglasur mit einem Pinsel aufgetragen. Und ich muss sagen, unsere Roman-Roellchen waren wirklich wohl geraten. Obwohl wir uns sicher waren, dass sie einfach köstlich schmecken mussten, ging es nun ans probieren. Alle andere Arbeit sollte für diesen historischen Moment ruhen. Was mussten wir jedoch feststellen, als wir den ersten Bissen verzehrt hatten, die Kombination Apfel, Vanillepudding und Marzipan war noch viel vortrefflicher, als wir es uns vorher ausgemahlt hatten. „Schmeckt einfach genial“, konnte ich nur noch mit vollem Mund nuscheln. „Ich find die einfach nur geil!“ entgegnete mir mein Bäckergeselle. Ja er hatte recht, nun konnte der große Münchner Sender in unsere kleine Backstube kommen, wir waren bestens gerüstet.


Einige Stunden später war es dann soweit. Der große Münchner Sender war zu Gast in unserer kleinen Backstube. Man darf nicht vergessen zu erwähnen, dass dieser historische Tag der 05. Dezember 2001 war. Wir waren also mitten im Weihnachtsrummel, hätten also eigentlich Stollen, Plätzchen und Lebkuchen backen sollen, kamen aber nicht dazu, da wir dem netten Redakteur von Bayern 3 zeigen und erklären mussten, wie die Roman-Roellchen gebacken wurden. So wurden wir also interviewt, unsere Kunden befragt, kurz und gut die gesamte Produktion kam zum Stillstand, da wir weder körperlich noch geistig in der Verfassung waren, irgend etwas anderes als „Roman-Roellchen“ zu denken. Kaum war der Mitarbeiter vom großen Münchner Sender fertig, entführte er mir nicht nur alle unsere Roellchen, nein er nahm auch noch gleich meinen Bäcker mit ins Studio zu Roman Roell, der ahnungslos, was für eine Überraschung ihm noch bevorstand, bereits seit fünf Uhr in der Früh sendete. So alleine gelassen musste ich nun sehen, wie ich mit meiner Arbeit zurecht kam. Mein Geselle amüsierte sich im Studio mit einem gewissen Roman Roell und ich konnte mich auch nicht so recht auf die Arbeit konzentrieren, da ich nicht nur mit einem Ohr am Radio hing.


Auf alle Fälle fiel nicht nur Roman fast von seinem Moderatorenstuhl, als ihm unsere Roellchen überreicht wurden. Nein der ganze Bayerische Rundfunk geriet für eine Woche außer Rand und Band und berichtete täglich über die Roman-Roellchen. Bei uns im Geschäft war die Hölle los, plötzlich wollten alle nur noch Roman-Roellchen essen, kaum einer wollte noch Stollen oder Plätzchen. Wir kamen mit der Roellchen-Prokuktion kaum mehr nach. Ganz Puchheim und Umgebung war im Roellchen-Wahn.


Natürlich beruhigte sich nach zwei Wochen Extase die Lage am Roellchen-Index wieder. Aber hinter unserem Rücken plante der Bayerische Rundfunk jedoch schon wieder den nächsten Anschlag. Und so bekamen wir wieder einen Anruf aus dem Rundfunkgebäude. Der große Münchner Sender fragte an, ob wir auch ein paar Roellchen mehr backen könnten. Sie wollten auf der Bayern3-Wintertour in Bayreuth Roman-Roellchen verteilen. Natürlich würde alles gezahlt werden und sie würden die Roellchen auch abholen und anschließend in Bayreuth verteilen. Auf meine vorsichtige Frage, wie viel „ein paar mehr“ denn seien, bekam ich zur Antwort. Sie bräuchten wahrscheinlich so ca. 500 Stück. Dies war ziemlich happig für eine so kleine Bäckerei wie die unserige. Mir war auch noch nicht klar, wie wir es schaffen sollten 500 Röllchen zusätzlich zu produzieren. Deshalb sagte ich auch sofort zu, ohne auch nur einen Augenblick an die Freizeit meiner Mitarbeiter zu denken, an meinen Feierabend könnte ich ja später immer noch denken. Schließlich war das ja auch unser Gebäck, das sollte uns niemand wegnehmen können. Ein paar Tage später kam der nächste Anruf, ob wir die Roman-Roellchen auch schon um 3 Uhr in der Frühe fertig haben könnten, es wäre schließlich ein weiter Weg von München bis Bayreuth. Da hatten die vom Bayerischen Rundfunk natürlich recht, es ist nicht nur weit bis nach Sakramento, auch Bayreuth ist von München aus betrachtet ziemlich weit entfernt. Auch jetzt sagte ich natürlich sofort zu, obwohl mir immer weniger klar wurde, wie wir das alles bewältigen sollten. Doch der große Münchner Sender hatte auch dafür eine Lösung parat. Ich weis nicht, wie es in einem öffentlich-rechtlichen Sender zu geht, aber wahrscheinlich haben so viele Leute etwas zu sagen, dass man jeden Tag zu einer neuen Lösung kommen kann. Jedenfalls war kaum ein Tag vergangen, als wir wieder einen Anruf aus der Münchner Zentrale bekamen. Diesmal ging es jedoch ans Eingemachte, der Bayerische Rundfunk wollte unser Rezept haben für unsere kongenialen Roman-Roellchen. Die Führungsriege des Veranstaltungsausschusses wollte die Roellchen von einem Bayreuther Bäcker backen lassen. Wahrscheinlich hatte jedoch der Finanzbeirat von Bayern 3 hier seine Finger im Spiel und die Kosten für diese Aktion durchgerechnet. Anschließend kamen sie zu dem Schluss, dass man die Gebäckstücke wohl auch von einem örtlichen Betrieb günstiger haben könnte, wenn man nur oft genug seinen Namen im Radio erwähnt. Sie hatten jedoch zwei Dinge nicht berücksichtigt. Erstens gibt ein Konditor niemals seine geheimen Rezepte preis. Zweitens backen Bäcker überhaupt nie nach Rezept. Dies ist meiner Meinung nach auch der Hauptunterschied zwischen einem Bäcker und einem Konditor. Sie meinen jetzt sicher der Hauptunterschied ist, dass der Konditor für die süßen Schweinereien zuständig ist und der Bäcker dafür uns knuspriges Brot und leckere Semmeln bäckt. Dies ist jedoch nur bedingt richtig. Der wesentliche Unterschied ist, dass ein Konditor um Arbeiten zu können immer ein genaues Rezept bis auf die zweite Stelle hinter dem Komma braucht. Jedoch ein Bäcker glaubt, dass Rezepte nur etwas für Menschen ohne Gefühl wären.

Nun muss ich zugeben, dass ich sofort mein geheimstes Geheimrezept aufgeschrieben habe und an den Rezeptbeauftragten vom öffentlichen Rundfunk weitergeleitet habe. Zu zweitens muss ich sagen, dass in Bayreuth die Roman-Roellchen ein wenig anders schmecken, wie unsere Original-Roellchen.


Jedoch wurde die Wintertour ja gerade erst eröffnet und so gab es dann praktisch fast jede Woche an einem anderen Ort in Bayern ein Konzert, welches durch die Verteilung von Roellchen suportet wurde. So nahm der Siegeszug der Roman-Roellchen in Bayern seinen Lauf.


Mir wurde jedoch langsam schwindelig, dies nahm langsam Ausmaße an, die alles was wir bisher gemacht hatten in den Schatten stellte. Die Roman-Roellchen waren buchstäblich in ganz Bayern in aller Munde. Ich musste mir unser geniales Gebäck schützen lassen. Ein Patent musste her, damit mir niemand unsere wunderbare Erfindung mehr wegnehmen kann. Ohje dachte ich das wird bestimmt teuer, man braucht einen Patentanwalt, weil man ohne ihn diese ganzen Formulare gar nicht ausfüllen kann. Und außerdem hatte ich von Patenten sowieso keine Ahnung. Jedoch wurde mir von allen Seiten Angst gemacht. Du als kleiner Handwerker hast doch keine Ahnung von Patenten. Das schaffst du nie alleine. Man braucht einen speziellen Patent-Anwalt. Was nicht nur professioneller klingt, sondern auch noch mindestens doppelt so teuer. Also habe ich einfach beim Patentamt angerufen und dem netten Beamten mein Anliegen erklärt. Wenngleich es mir vorkam, dass er ein wenig amüsiert war über den Gedanken, dass hier jemand am anderen Ende der Leitung ist, der sich ein Gebäck patentieren lassen will, so gab er mir doch die nötigen Informationen. Und es war eigentlich ganz einfach. Ich bekam ein Formular zugeschickt, dass ich ausfüllen musste. Worauf das Patentamt alles überprüft hat. Mir dann eine Rechnung über 300 € schickte. Ich diese brav bezahlte und anschließend ein paar Monate später bekam ich endlich meine Patenturkunde. So und nun wissen Sie, dass die Roellchen vom Roman sogar patentrechtlich geschützt sind. Ja und da ich ein netter Kerl bin, darf natürlich jeder die Roman-Roellchen nachbacken. Vielleicht wäre es ja doch besser, ich wäre manchmal ein wenig weniger nett. Dann wäre dies besser für mein Bankkonto. So muss ich wahrscheinlich doch noch ein paar Jahre kleinere Brötchen backen. Obwohl, wenn ich kleinere Semmeln backe, dann kriege ich Ärger mit meiner Frau, das ist ja etwas, was keiner von uns will.



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