Belgrad als Metropole zwischen Save und Donau

Belgrad als Metropole zwischen Save und Donau

Ein spannendes Ausflugsziel zwischen Tradition und Moderne

Frühlingserwachen – nicht nur jahreszeitlich – ist zu spüren, wenn man dieser Tage durch Serbiens Hauptstadt Belgrad flaniert, entlang der Hauptgeschäftsstraße Knez Mihailova. Westliche Ladenketten prägen inzwischen auch hier das Bild der Einkaufsmeile, die in dem Park Kalemegdan, der die Festung Belgrads umgibt, mündet. Das unmittelbare Zusammentreffen von Moderne und Tradition könnte bildlicher kaum sein, begegnet mir als erkundungshungrigem Reisenden aber dutzendfach in der Balkanmetropole. Der Kalemegdan im nordwestlichen Teil des Stadtzentrums von Belgrad eröffnet gerade im Licht der untergehenden Abendsonne einen atemberaubenden Blick über die Stadt oberhalb der Mündung der Save in die Donau, über die Große Kriegsinsel, den malerischen Stadtteil Zemun bis hin zur Pannonischen Tiefebene.

Ganz anders, aber nicht weniger…

… romantisch mutet die von Kalemegdan fußläufig erreichbare Gegend Savamala an, die mit seinen verschlafenen Hausboot-Kneipen entlang der Save und seinen halbverfallenen Gassen rund um das ausgeflippte „Mikser-House“ den Eindruck eines völlig konträren, aber jungen Bohemè-Viertels erweckt. Das „Mikser House“ ist Zentrum der Kreativität und Symbol des jungen Belgrads. Tagsüber findet man in seinem hallenartigen Innenraum den „Balkan Design Store“, in dem serbische Produkte aller Art wie auf einem Markt angeboten werden. Mit Einbruch der Dunkelheit wandelt sich das Gebäude zu einer ausgeflippten Restaurant- Kneipe, zum Treffpunkt der Kulturszene, in dem regelmäßig Konzerte und Ausstellungen abgehalten werden. Alljährlich findet hier das viertägige „Mikser Festival“ statt, bestehend aus Musikveranstaltungen, Bilderschauen, kreativen Workshops und einer Fülle von kreativem Szene-Potential. Nachtleben der traditionellen Art mit hohem Romantik-Faktor finde ich bei meinem Bummel durch die belebte Belgrader Abendstimmung im Viertel „Skadarlija“. Inzwischen sehr von Reisenden geprägt bietet sich in dieser Gegend, die eigentlich nur durch die Skadarlija-Straße zu Ruhm gelangte, das Bild einer folkloristischen Kultur Serbiens mit herkömmlicher Balkanküche und Musiker-Gruppen, die das schwere, köstliche Essen der Region mit traditionellen Klängen der Region zu erleichtern versuchen. Gerade in lauen Frühlingsnächten lohnt sich ein abendlicher Spaziergang durch die hell erleuchteten Straßen Belgrads. Sicherheit wird hier groß geschrieben und so kann ich mich voll auf die architektonischen Schönheiten der Stadt konzentrieren statt auf mein eigenes Wohl. Vorbei am serbischen Parlament gegenüber vom Pionirski-Park schlendere ich entlang der berühmten Markus-Kathedrale mit ihrer typisch serbisch- orthodoxen Bauweise durch den Tasmajdan-Park, der mit seinem Garten- Restaurant „letzte Chance“ heute in ruhiger Atmosphäre zum Ausklang des Abends die letzte Chance auf ein typisch-serbisches Jelen-Bier bietet, bevor ich mich zum nahegelegenen Titos Lieblingshotel „Metropol Palace“, einem äußerlich wahrhaft sozialistischen Bau-Monstrum, begebe.

Mehr Belgrad, mehr Kultur, mehr serbische Lebensweise
ruft es in dem Besucher der Stadt, den die Metropole zwischen Save und Donau macht süchtig nach Erlebnis. So begebe ich mich am nächsten Morgen erst mal auf die Spuren des serbischen Königshauses zum Dedinje-Palast und Beli Dvor auf dem Dedinje-Hügel. Auf dem Weg zum streng abgeriegelten Palast der ehemaligen Monarchen, der nur nach Anmeldung besucht werden darf, passiere ich die einst in den 90ern von der NATO zerstörten Regierungsgebäude, die als Mahnmal weithin sichtbar noch das Stadtbild mitprägen. Die gut gepflegten Schlossanlagen – zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörend – in deren zugehöriger Kapelle bis heute der letzte König Alexander II. aufgebahrt ist, waren nach dem Untergang der Monarchie 1941 auch Sitz des großen, serbischen Führers Tito und zuletzt von Slobodan Milosevic. Jener führte an diesem Ort die Verhandlungen in den Krisen um Bosnien und Kosovo.
Es gibt nichts entspannenderes in Begrad als einen nachmittaglichen Abstecher in den nahegelegenen Donau-Stadtteil Zemun mit seinen malerischen Gassen, die einen in das vorletzte Jahrhundert zurückfallen lassen. Ausgezeichnete Fischrestaurants, die ihre Speisen fangfrisch servieren und ein beruhigender Blick auf sich langsam dahinschiebende Donau bieten eine willkommene Erholung nach einem ausgiebigen Kultur-Stadtbummel durch Belgrad. Der kurze Anstieg hinauf zum Janos-Hunyadis-Turm oberhalb von Zemun ist ein lohnender Spaziergang, an dessen Ende ein atemberaubender Blick über die Donau und Belgrad steht. Weithin sichtbar ist von hier aus die noch in der Fertigstellung befindliche Kathedrale des Hl. Sava, die als neues Wahrzeichen der Stadt 7000 Menschen fassen kann und damit zur größten Kirche des Ostens nach der Kathedrale in Moskau wird. Bislang galt das Westtor „Zapadna kapjia“, ein ehemaliges Doppel-Hochhaus, das durch eine markante Querverbindung wie ein Tor aussieht, als Wahrzeichen und begrüßt den Reisenden, der aus der Richtung des Flughafens in die Stadt kommt. Bereichert mit so vielen Kultureindrücken verbringe ich den letzten Abend meiner Stippvisite im angesagten Kneipenviertel der Oberklasse – dem „Silicon Valley“. So nennt man diese Hauptader des Belgrader Nachtlebens nach den vielen Damen, die sich ihren perfekten, ein wenig zu großen Busen und sinnliche, etwas zu auffällige Lippen gekauft haben und die man hier bewundern kann. Man befindet sich mitten im Klischee von reichen Männern und ihrer attraktiven weiblichen Begleitung. Belgrads „Silicon Valley“ ist die Welt der Neureichen. Und der Ausländer, die man sofort an ihrer Kleidung erkennen kann: Die Geschäftsleute, in ihren Anzügen oder die leger gekleideten Touristen.

Wehmütig verlasse ich die Stadt nach meinem kurzen Wochenend-Ausflug, denn es gäbe noch tausend Dinge zu erleben, noch hundert Kulturereignisse zu besuchen und noch viel mehr von der offenherzigen und gastfreundlichen Atmosphäre der Serben und ihrer Hauptstadt zu genießen.


Tipps und Nützliches

Wie kommt man hin:
Flugzeug: Von Deutschland aus kann man von vielen großen Flughäfen nach
Belgrad zum Nicolas-Tesla-Airport gelangen, etwa Düsseldorf, Berlin,
Frankfurt oder München, entweder mit der staatlich serbischen Linie JAT
oder auch einer deutschen Airline.
Auto: Auch mit dem Auto kommt man zügig nach Serbien: Man reist von
Deutschland durch Österreich via Salzburg und Villach. Weiter durch den
Karawanken Tunnel und rund 180 km durch Slowenien. Weitere 300 km geht es
durch Kroatien. Vom Grenzübergang Serbien geht es nach Belgrad Es werden
Maut und Tunnelgebühren fällig.

Adressen
National Tourism Organisation of Serbia
Čika-Ljubina 8, 11000 Beograd, Serbia
Tel: ++381 (0)116557-100, fax 2626-767
http://www.serbia.travel/
und
www.travel-belgrade.com

Hotel
In unmittelbarer Nähe des Stadtzentrums:
Metropol Palace
Bulevar Kralja Aleksandra 69
Belgrade 11000 · Serbia
Tel: (381)(11) 3333100
http://www.metropolpalace.com/
  Kneipenviertel:
Skadarljia-Straße, fußläufig entfernt vom Metropol Palace-Hotel

„Silicon-Valley“:
Ulica Strahinjića Bana, Stari grad, 11000 Belgrad

Mikser-House
Karađorđeva 46
11000 Beograd
http://mikser.rs/en/

Mikser-Festival
das Festival findet jährlich 4 tage lange im Stadtteil Savamala statt –
2013 vom 28. Mai bis 2. Juni.
Programm und Infos: http://mikser.rs/

DER JOURNEYLIST – Philip Duckwitz
Mitglied in der Vereinigung Deutscher Reisejournalisten (Journalistenkreis)
Mitglied im Deutschen Fachjournalisten-Verband (DFJV)

Publiziert am: Dienstag, 30. April 2013 (3381 mal gelesen)
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